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...Wärme, Sonne, Bienensummen…welche Bilder entstehen beim Klang des Wortes „Lavendel“ vor Ihrem inneren Auge? Kennen Sie ein anderes Kraut, das solch eine Vielfalt von angenehmen Assoziationen weckt?

Ursprünglich eine Wildpflanze, die ab 800 Höhenmetern zum Beispiel in den Bergen der Haute-Provence und des Bas-Dauphiné gedieh, wurde der Lavendel dort im Sommer von den Bauern gesammelt und meist in kleinen, zerlegbaren „Alambics“ gleich vor Ort destilliert. Mit der steigenden Nachfrage der Parfümindustrie wurde der Lavendel Anfang des 20. Jahrhunderts nach und nach in Dorfnähe angebaut, erst in dieser Zeit entstanden die Felder mit den langen Reihen Lavendelsträuchern, die heute ein Wahrzeichen der Provence sind.

Weniger bekannt ist die Verbreitung des Lavendels in England – möglicherweise brachten schon die Römer die ersten Lavendelpflanzen auf die Insel. Ursprünglich gab es in England die größten Lavendelfelder – der ganze Süden des heutigen Londoner Stadtgebietes war von Lavendel bedeckt. Während der Pestzeit in London 1665 wurden Kirchen und andere öffentliche Gebäude durch das Verbrennen von Lavendel desinfiziert.

Königin Viktoria war eine begeisterte Anhängerin von Lavendel, in ihrer Zeit im 19.Jh galt der herausragende Duft „English Lavender“ im ganzen Commonwealth als Symbol für England. Heute beherbergt die „Downderry Nursery“ in der südenglischen Grafschaft Kent die nationale Lavendelsammlung mit etwa 250 Sorten.

 

 

 

 

 

Heilwirkung des Lavendels

Der Lavendel ist eine ausgleichende Pflanze, ihre Essenz kann das Nervensystem anregen und regenerieren, aber auch entspannen und beruhigen. Es erfrischt bei Müdigkeit und beruhigt bei Nervosität. Das antiseptisch wirkende pure ätherische Öl ist eines der besten Mittel zur ersten Hilfe bei Verbrennungen und bei Insektenstichen, es sollte in keiner Hausapotheke fehlen. Die Liste der medizinischen Wirkungen der Lavendelessenz ist so lang, dass man es fast als „Wundermittel“ ansehen könnte – es ist eines der großen Mittel der Aromatherapie und der Naturheilkunde überhaupt. Von der Wirkung gegen Kopfschmerzen, als Inhalation bei Erkältungskrankheiten, Grippe und Bronchitis und Asthma, als Kompresse und Einreibungen bei verschiedenen Hautkrankheiten und Nervenirritationen, von einer stärkenden Wirkung auf nervöse Herzbeschwerden, anregender Wirkung des Tees auf die Verdauungssäfte von Magen und Galle und etlichen weiteren Verwendungen wird berichtet. Auch in der Naturkosmetik wird Lavendel eingesetzt, seine durchblutungsfördernde, entstauende Wirkung macht es wertvoll für die Hautpflege besonders bei trockener und alternder Haut. Lavendelessenz in Shampoos und Haarwässern soll Haarausfall vermindern und wird als Mittel gegen Schuppen empfohlen. Raumsprays mit Lavendelöl wirken nicht nur in Krankenzimmern wohltuend!

Das ätherische Öl ist in verschiedenen Qualitäten erhältlich: das wertvollste ist „Lavandula officinalis extra“ aus Wildsammlung, „Lavande fine“ ist aus Feldanbau, „Lavandin“ aus einer speziell gezüchteten Art mit hoher Ausbeute an ätherischem Öl, aber weniger medizinisch wirksamer Inhaltsstoffe. Beim Einkauf sollte man darauf achten, wirklich reine natürliche Öle von renommierten Firmen zu erstehen. Billige Angebote sind mit größter Wahrscheinlichkeit stark vermischte Öle, somit alles andere als preisgünstig und nur als Parfüm zu verwenden. Für ein Kilo der Essenz aus Blütenrispen und Stängeln braucht man etwa 150 bis 160 kg Lavendel aus Wildsammlung, 120 bis 130 kg aus Feldanbau und etwa 35 bis 50 kg Lavandin. Im Gegensatz zu dem euphoriesierenden, berauschenden Duft des echten Lavendels wirkt der des konzentrierten Lavandins eher schwer und betäubend.

 

Lavendel im Garten

Botanisch zählt der Lavendel zu den Halbsträuchern, das bedeutet er zieht sich im Winter nicht komplett zurück wie die Stauden, sondern er überwintert mit teils verholzten, teils wintergrünen Trieben. Dadurch hat er auch als Strukturbilder im winterlichen Garten eine Bedeutung. Der Standort sollte vollsonnig sein, der Boden durchlässig, kalkhaltig und nicht zu nährstoffreich. In magerem Boden können Lavendelpflanzen 20 Jahre alt werden

Rosen und Lavendel – diese Kombination gilt als Traumteam des sommerlichen Gartens. Leider haben beide Pflanzen völlig unterschiedliche Bodenansprüche: als echtes Kind der Berge gedeiht Lavendel am besten auf magerem und trockenen Boden, die Rose hingegen braucht einen sehr nährstoffreichen Boden um sich gut zu entwickeln. Meist geht die erzwungene Nachbarschaft auf Kosten des Lavendels – er schießt schnell ins Kraut und geht oft nach wenigen Jahren an Überdüngung ein. Will man ihn dennoch zu den Rosen setzen und langlebige Büsche haben, so kann man ihn in einer mageren Erdmischung in größeren Töpfen neben den Rosen eingraben. Ideal für eine Lavendelpflanzung sind die immer beliebter werdenden pflegeleichten Kiesgärten. Er eignet sich auch wunderbar als Hangbefestigung an sonnigen Stellen – auch als duftende Umrandung eines Kräuterbeetes macht er sich gut.

Am richtigen Standort ist Lavendel eine sehr gesunde, pflegeleichte Pflanze. Wichtig ist nur der regelmäßige Schnitt, am besten zweimal im Jahr. Nach der Blüte, spätestens jedoch Mitte August werden die Blütenstiele und die obersten Triebspitzen geschnitten. Man kann die Pflanzen dabei auch um etwa ein Drittel einkürzen und einen buschigen Formschnitt vornehmen. Nach spätestens drei Wochen haben die Sträucher dann wieder durchgetrieben und behalten für den Rest des Jahres ein gesundes, kompaktes Aussehen. Im nächsten Frühjahr wird dann nach den letzten starken Nachtfrösten bis fast ins alte Holz zurück geschnitten. Man muss dabei allerdings aufpassen, dass man nicht zu tief schneidet – aus dem holzigen Teil treibt die Pflanze nämlich nicht mehr aus und der Strauch stirbt ab. Wenn der Schnitt unterbleibt, verholzt der Lavendel von unten her und bricht besonderes bei Schnee leicht auseinander.

Viele schöne Lavendelsorten sind in unseren Breitengraden nicht winterhart, lassen sich aber gut im Kübel kultivieren. Dazu zählen unter anderen der immer beliebter werdende Schopflavendel (Lavandula stoechas) mit seinen auffälligen Scheinblüten in blauen, rot-violetten und purpurrosen Farbtönen, der azurblaue Kanarische Lavendel (Lavandula pinnata) mit seiner langen Blütezeit von Juni bis Oktober und der Zahn-Lavendel (Lavandula dentata) mit den auffällig gezähnten Blatträndern, der ebenso lange blüht. Das Pflanzgefäß für solche Sorten sollte mindestens fünf Liter Volumen haben und braucht unbedingt mindestens ein Loch im Boden. Ein paar Tonscherben oder eine Schicht grober Kies erhalten die Durchlässigkeit. Gut bewährt hat sich eine Erdmischung aus jeweils einem Drittel Gartenerde, groben Sand (alternativ gebrochenes Tongranulat oder feiner Kies) und Kompost (alternativ Humus oder Blumenerde). Über den Winter stellt man die Töpfe möglichst hell und kühl an einem frostfreien Platz auf. Auch winterharte Lavendelsorten geben tolle Kübelpflanzen ab – für sie sollte man im Winter einen halbwegs trockenen Platz suchen.

Eine attraktive Besonderheit für Liebhaber ist die Gruppe der „Lavandula x chaytorae“, die silberlaubigen Lavendel mit einem silbrig-wolligen Laub. Sie sind relativ winterhart, aber noch empfindlicher auf Staunässe als die Lavandula angustifolia Sorten und sollten bei anhaltenden starken Frösten mit einer Reisigabdeckung geschützt werden. Zwei schöne Sorten sind „Richard Grey“, sie hat aromatisches Laub, strahlende dunkelviolette Blüten und einen sehr gleichmäßigen Wuchs. „Sayers“ wird bis zu einem Meter hoch und breit, die langen Blütenähren mit den rötlich-violetten Einzelblüten verströmen ein süßliches Aroma.

Beim Einkauf von Pflanzen ist zu beachten, dass alle Sorten der häufig angebotenen „Lavandula x intermedia“ Gruppe bei uns unbedingt einen guten Winterschutz brauchen.


Lavendelsträuße als duftende Dekoration für die Wohnung schneidet man, bevor die Einzelblüten aufgehen - nur so bleibt die Farbe erhalten. Besonders geeignet sind die dunklen Lavendelsorten. Die Blütenstiele werden zu kleinen Sträußchen gebunden zum Trocken mit dem Kopf nach unten aufgehängt, so bleiben die Stiele schön gerade.


 

Winterharte Sorten für den Garten:

 

Empfehlenswert sind für die Freilandpflanzung in Mittelgebirgslagen besonders die Sorten des echten Lavendels ( Lavandula angustifolia, auch Lavandula vera oder Lavandula officinalis genannt).

 

Lavandula angustifolia „Maillette“

Eine Sorte aus der Provence, die dort feldmäßig zur Ölgewinnung angebaut wird. Sie ist relativ hoch und wüchsig (50-70 cm), hat violette Blüten und einen sehr hohen Gehalt an ätherischen Ölen

 

Lavandula angustifolia „Lumière des Alpes“

Robuste und ausdauernde Sorte, 30-50cm hoch mit blau-violetten Blüten und intensiv tiefblauen Blütenkelchen

 

Lavandula angustifolia „Hidcote Blue“

Sehr bekannte englische Züchtung mit wunderschön tief violettblauen Blüten. Sie wird 25-40 cm hoch, ist relativ langsamwüchsig und bleibt schön kompakt. Im Handel ist auch die „Hidcote Blue Strain“, diese wird jedoch durch Aussaat vermehrt und variiert in der Blütenfarbe

 

Lavandula angustifolia “Miss Katherine”

Die rosafarbenen Blüten sind die Besonderheit dieser starkwüchsigen und mit 60-70 cm sehr hoch wachsenden Sorte

 

Lavandula angustifolia „Imperial Gem“

Sie ähnelt mit ihren dunkelviolettblauen Blüten sehr der “Hidcote Blue”, hat jedoch eine Wuchshöhe von 50-60 cm und eignet sich damit gut für den hinteren Bereich eines Beetes. Ihr silbriges Laub steht in einem schönen Kontrast zu den dunklen Blüten.

 

Lavandula angustifolia „Dwarf blue“

Der robuste blaue Zwerg wird nur 20-30 cm hoch, bleibt kompakt, blüht dunkelviolett und eignet sich besonders gut für Umrandungen und Balkonkästen

 

Lavandula angustifolia „Nana alba“

Eine reinweiße, wüchsige Sorte, die 30-40 cm hoch wird und sich mit ihrem kompakten Wuchs gut für Töpfe, Kübel und Balkonkästen eignet

 

 

 

Text und Fotos: Barbara Ehlert